Newsletter Juli 2020

Juli 14, 2020 | Newsletter

Geschätzte Sponsoren und Interessierte

Die Corona-Pandemie hat nicht nur unser Leben verändert, sondern auch jenes der Menschen in Uganda. Am 18. März wurde der Lockdown verhängt, die Schulen geschlossen und die Kinder und Jugendlichen nach Hause geschickt. Erste Fälle tauchten erst zwei Tage später auf. Ein im April vorgesehener Öffnungstermin der Schulen wurde auf unbestimmte Zeit verschoben.

Das Bildungsministerium kreierte Unterlagen für das Homeschooling. Nur, wer profitiert davon? Es sind einzig die Kinder der reichen Leute, die Zugang zu elektronischen Medien und die Unterstützung der Eltern haben, eine kleine Minderheit also. Die grosse Mehrheit der Bevölkerung besitzt weder Radio noch Fernseher. Wie soll Fernunterricht dann funktionieren? Ministerpräsident Museveni will Abhilfe schaffen, indem er Radios verteilt und pro Dorf einen Fernseher. Wer die ugandische Kultur kennt kann ermessen, dass ein so begehrtes Objekt sofort vom Familienoberhaupt in Besitz genommen und „verwaltet“ wird. Homeschooling kann auch darum nicht funktionieren, weil die Kinder tagsüber oft sich selbst überlassen sind, während die Erwachsenen arbeiten. Und selbst, wenn sie da wären, könnten die meisten nicht helfen, weil sie selber einen tiefen Bildungsstand haben.

In den Spitälern der Hauptstadt Kampala liegen sogenannte Patienten, muntere Leute, die nicht auf Spitalpflege angewiesen wären. Der Präsident braucht Fallzahlen und Bilder, denn der Geldbrunnen der Weltbank möge nicht versiegen. Bisher wurden insgesamt 939 Corona-Infizierte und keine Toten in diesem Zusammenhang registriert. Vor allem Lastwagenfahrer aus den Nachbarländern brachten die Krankheit ins Land. Die Leute haben die Angst vor dem Virus längst verloren und den Glauben an die Hilfe der Regierung auch.

Man wird den Eindruck nicht los, Präsident Museveni und seine Entourage verkennen die Tatsachen in ihrem Land. Noch schlimmer. Sie nützen die Corona-Krise zum eigenen Vorteil. Im nächsten Frühling sollen Wahlen stattfinden. Da kommt es gelegen, wenn keine Wahlveranstaltungen stattfinden können. Es wird keine Diskussionen geben und auch die Opposition hat keine Plattform, ebenso wenig gebildete Leute von den Universitäten. Auch die Religionsgemeinschaften dürfen sich nicht treffen und Gedanken austauschen. Ein ignorantes Volk zu regieren, das keine Alternative hat, ist einfach.

Regina schätzt, dass einige Mädchen nicht mehr an die BSSK zurückkehren werden, weil sie in der Zwischenzeit verheiratet (worden) oder schwanger sind. Auch ältere Knaben könnten sich in die Arbeitswelt verabschiedet haben. Schade! Die Schule ist für viele junge Menschen ein geschützter Ort, wo sie lernen und sich entfalten können. Je länger der Lockdown dauert, desto mehr Jugendliche werden vom Schulausstieg betroffen sein.

Auf dem Gelände der BSSK betätigt sich Regina mit wenigen Zurückgebliebenen in Farming. Kücken wachsen zu Hühnern heran, Schweinchen grunzen, Ziegen meckern und die Kühe gehören schon länger zum Erscheinungsbild der Schule. Das Projekt mit dem ausgedehnten Pflanzgarten wurde reduziert, weil Diebe in der Nacht erntereife Erzeugnisse abgeholt hatten. Der ausserhalb der Umzäunung liegende Teil ist jetzt Grasland für die Tiere, der Teil innerhalb des Zaunes wurde in den vergangenen Wochen bepflanzt. Da der Regen auf sich warten lässt, muss mit dem eigenen Wasser begossen werden. Eine Möglichkeit, die auf dem BSSK-Campus glücklicherweise gegeben ist!

Geschätzte Leserinnen und Leser, bleiben Sie gesund und geniessen Sie den Sommer im Rahmen der gegenwärtigen Möglichkeiten!

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